Mulo Francel

Quelle: Wikipedia

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Mulo Francel – Saxophonist, Komponist, Klangreisender
Zwischen Jazz, Klassik und Weltmusik: Der sinnliche Sound von Mulo Francel
Geboren am 21. September 1967 in München, entwickelte Mulo Francel eine Musikkarriere, die Jazzhistorie, europäische Klassik und Weltmusik kultiviert verbindet. Seine Bühnenpräsenz speist sich aus einer künstlerischen Entwicklung, die von improvisatorischer Neugier, handwerklicher Präzision und globalen Begegnungen getragen wird. Als kreativer Wirbelwind des Ensembles Quadro Nuevo und als Solist formte er einen Saxophonton, den Kritiker als außergewöhnlich sinnlich und erzählerisch beschreiben. Seine Diskographie verzeichnet Alben, die zwischen intimer Kammermusik, cineastischen Klangräumen und elegantem Cool-Jazz changieren – stets mit einem Gespür für Melodie, Form und Atmosphäre.
Francel versteht sein Instrument als Stimme, die Geschichten erzählt. In seinen Kompositionen und Arrangements verdichten sich mediterrane Farben, Tango-Anklänge, arabeske Ornamente, Swing-Idiome und neoklassische Schattierungen. Konsequent pflegt er die Balance zwischen Struktur und Spontaneität: klare Themen, feinnervige Phrasierung, warme Klangfarbe und ein Sinn für dramaturgische Bögen. Damit gewann er Preise, spielte weltweit Konzerte und setzte über Jahrzehnte Maßstäbe in stiloffener, aber verantwortungsvoll kuratierter Jazzproduktion.
Biografie: Von Bayern in die Welt
Francels musikalischer Weg beginnt in Oberbayern; der frühe Verlust des Vaters führt ihn zur Plattensammlung, die die Faszination für Jazz weckt. Mit 16 Jahren greift er zum Saxophon und erarbeitet sich das Instrument zunächst autodidaktisch. Studien in Linguistik beendet er zugunsten der Musik und vertieft dann Saxophon, Klarinette, Komposition sowie Arrangement in München, Linz und New York. Diese Breite zeigt sich bis heute in seinem Repertoire: Standards, Eigenkompositionen, Liedbearbeitungen, Filmmusik – stets mit klarem Klangideal und stilistischer Durchlässigkeit.
Gemeinsam mit Lisa Wahlandt gründet er früh die Gruppe Mind Games und erreicht mit einem Getz/Gilberto-Programm sogar Chart-Erfolge in Asien. Ab Mitte der 1990er-Jahre prägt er Quadro Nuevo entscheidend mit – ein Ensemble, das Weltmusik, Tango und mediterrane Melodik mit Jazzimprovisation verknüpft. Tourneen führen Francel in Konzertsäle, Jazzclubs, auf Festivals und bisweilen als Straßenmusiker auf Plätze, vom Montreal Jazz Festival bis zur Carnegie Hall. Diese gelebte Weltläufigkeit formt sein künstlerisches Profil als Brückenbauer zwischen Kulturen.
Karrierehöhepunkte: Quadro Nuevo, Duo-Projekte und Solopfad
Als Saxophonist von Quadro Nuevo erhält Francel mehrfach den German Jazz Award, zweimal den Echo Jazz für den besten Live-Act und den europäischen Impala-Preis – Auszeichnungen, die seine Autorität im zeitgenössischen Jazz unterstreichen. Parallel verfolgt er Soloprojekte und Kooperationen, etwa mit Pianist Chris Gall im Duo-Projekt „MYTHOS“, mit der Organistin und Pianistin Nicole Heartseeker in kammermusikalischen Programmen, mit Vibraphonist Tim Collins im akustischen Dialog oder mit dem ägyptischen Pianisten Rami Attallah in arabisch-europäischen Klangbegegnungen. Diese Konstellationen nutzt Francel, um Komposition, Klangdramaturgie und Improvisationskultur kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Eine besondere Rolle spielt sein Interesse an Spielorten mit spezifischer Akustik sowie an thematischen Reisen: Berge, Küsten, Inselwelten und urbane Räume werden zu Resonanzkörpern. Die Aufnahmesituationen prägen Tempo, Artikulation und Raumgefühl seines Saxophonspiels – mal atmend und weit, mal rhythmisch konturiert, mal tänzerisch schwebend.
Diskographie: Alben, die Räume öffnen
Francels Diskographie bildet seine künstlerische Entwicklung ab. Frühere Stationen wie „Rendezvous“ (mit Evelyn Huber) und „Bossa Nova Affair“ (mit Lisa Wahlandt) zeigen seine Affinität zu lyrischem Ton, vokaler Nähe und brasilianisch gefärbten Rhythmen. Spätere Solotitel wie „The Sax & the Sea“ (2014) erweitern die Klangpalette durch ungewöhnliche Aufnahmeorte in Meeresnähe – ein Beispiel für seine Erfahrung, Architektur, Raum und Natur geräuschsensibel in die Produktion einzubetten. „Mocca Swing“ (2017) schlägt die Brücke zwischen orchestraler Opulenz und Quartettintimität und bekennt sich zu der europäischen Eleganz des Cool-Jazz.
Mit „The Melody Sax“ (2023) widmet Francel dem historischen C-Melody-Saxophon ein ganzes Programm – eine Expertise, die seltene Instrumentengeschichte mit frischer Interpretation verbindet. Auf „Mountain Melody“ (2021) reflektiert er das Motiv des Aufstiegs und der Weite: Musik als Topografie von Blicklinien und Atemräumen. Das Duo-Album „Mythos“ (2019) mit Chris Gall verwebt Improvisation, Neo-Klassik und World Music. „Global Players“ (2025) mit Rami Attallah legt den Fokus auf crosskulturelle Rhythmik und melodiöse Leichtigkeit; Kritiken betonen den melodienseligen Tenorsaxophonton und die souveränen Arrangements.
Aktuelle Projekte 2024–2026: Veröffentlichungen, Kollaborationen, Klangforschung
Zwischen 2024 und 2026 intensiviert Francel seine Produktionstätigkeit. 2024 legt Quadro Nuevo mit „HAPPY Deluxe“ ein erweitertes Albumkapitel vor, während 2025 eine Reihe neuer Veröffentlichungen erscheint: „Global Players“ (Veröffentlichung 1. August 2025) mit der Rami Attallah Group, die Vinyl-Edition des Duo-Albums „How did we get there?“ mit Tim Collins sowie „Moon River“ (Nicole Heartseeker & Mulo Francel) als Vinyl-Neuauflage. Parallel setzt das Duo MYTHOS seine Zusammenarbeit fort und präsentiert das Programm als poetisch-epische Klangreise zwischen Ikarus-Mythos und impressionistischen Klangbildern.
Auch im Single-Format bleibt Francel präsent: 2025 erscheinen „The Path“ und „Time Remembered“. Diese Veröffentlichungen zeigen sein kompositorisches Interesse an motivischer Verdichtung, einer klaren melodischen Linie und subtiler Rhythmik. Die Live-Aktivitäten bleiben international ausgerichtet – mit Brückenschlägen nach Ägypten, in den Mittelmeerraum und nach Lateinamerika –, wodurch sich seine Bühnenpräsenz immer wieder in neue kulturelle Kontexte einschreibt.
Stil und Technik: Klangfarbe, Phrasierung, Produktion
Francels Expertise spiegelt sich in der Sorgfalt seiner Produktion und der Feinzeichnung seiner Phrasierung. Sein Ansatz verbindet Atemführung, legatobasierte Linien und ein Vibrato, das eher als Farbtupfer denn als Dauerstilmittel eingesetzt wird. In der Komposition bevorzugt er singbare Themen, die sich in Arrangements schlüssig entfalten: klare Formteile, Raum für Soli, sorgsam austarierte Dynamik. In der Klangmischung legt er Wert auf Transparenz, räumliche Tiefe und die Balance zwischen Holzbläserfarbe und dem metallisch-samtigen Spektrum des Tenorsaxophons.
Vergleichbar mit Ästhetiken des Westcoast- und Cool-Jazz, jedoch erweitert um mediterrane, arabische und lateinamerikanische Idiome, kultiviert Francel einen Ton, der Wärme, Gelassenheit und Beweglichkeit vereint. Die rhythmischen Unterbauten – von subtilen Grooves bis hin zu ruhigen Pulsen – geben seinen melodischen Bögen Halt, ohne den Fluss der Erzählung zu stören.
Kritische Rezeption: Sinnlicher Ton, melodiöse Souveränität
Musikpresse und Fachmedien würdigen Francels Spiel wiederholt. Formulierungen wie „derzeit sinnlichster Saxophonsound Europas“ markieren seinen Status im europäischen Jazzdiskurs. Rezensionen betonen die melodiöse Eleganz, die klugen Arrangements und das stilistische Feingefühl seiner Produktionen. Besonders „The Melody Sax“ wird als kundige und zugleich frische Hommage an ein fast vergessenes Instrument gefeiert, während „Global Players“ die Fähigkeit unterstreicht, westliche Jazztraditionen mit südamerikanischen, mediterranen und arabischen Elementen organisch zu verschränken.
Diese Wahrnehmung deckt sich mit seiner Performance-Ästhetik: Auf der Bühne bevorzugt Francel ein erzählendes, kommunikatives Spiel, das seinen Mitmusikern Raum lässt und dennoch einen klaren dramaturgischen Faden zieht. Dadurch entsteht der Eindruck eines „sprechenden“ Saxophons, das Atmosphären malt, statt bloß Virtuosität zu demonstrieren.
Ästhetik der Orte: Meeresrauschen, Bergluft und urbane Akustik
Ein wiederkehrendes Motiv in Francels Arbeit ist die Wahl signifikanter Aufnahmeorte als klangformende Parameter. „The Sax & the Sea“ nutzt Kirchen, Zisternen, Docks oder Küstenlandschaften als akustische Resonanzräume – eine Erfahrung, die die Textur der Töne prägt. „Mountain Melody“ verhandelt Höhenluft und Weitblick als musikalische Metaphern. Diese konzeptionelle Produktionstechnik führt zu Aufnahmen, in denen Raumhall, Mikrofonierung und natürliche Akustik Teil der Komposition werden. So verschränkt Francel Tonbildung, Raum und Erzählung zu einem kohärenten Klangdesign.
Diese Praxis verlangt Akribie in der Vorbereitung: Repertoireauswahl, Testaufnahmen, Mikrofon-Setups, Spielpositionen, Nachbearbeitung. Das Ergebnis: Ein diskreter, aber charakteristischer „Ortssound“, der den narrativen Gehalt seiner Musik erhöht und seine künstlerische Entwicklung hörbar fortschreibt.
Kultureller Einfluss: Brückenbauer und Programmatiker
Francels künstlerische Strategie zielt auf Dialog: zwischen Genres, Traditionen und Publikumserwartungen. Seine Kollaborationen mit Musikern aus dem arabischen Kulturraum, seine mediterranen Expeditionen mit Quadro Nuevo und die kammermusikalischen Projekte mit Nicole Heartseeker oder Chris Gall beweisen, wie Musik als verbindendes Medium funktioniert. Dabei setzt er auf Qualitätssicherung in Komposition und Produktion, ohne die Zugänglichkeit zu verlieren – eine Mischung, die ihn für Festivals, Kulturhäuser und Clubs gleichermaßen attraktiv macht.
Preisverleihungen, Kritikerlisten und internationale Tourneen stärken seine Autorität. Für Jazzliebhaber bietet er Anschlusspunkte an die Tradition; für neugierige Hörer öffnet er Türen in Weltmusik, Filmmusiknähe und Neoklassik. Diese Anschlussfähigkeit erklärt, warum seine Alben wiederholt in Charts und Bestenlisten auftauchen und warum sein Name in der europäischen Szene als Synonym für stilvoll kuratierten, melodiereichen Jazz gilt.
Fazit: Warum Mulo Francel jetzt hören – und live erleben?
Mulo Francel steht für eine Musik, die mit Geschmack, Erfahrung und neugierigem Blick über Genregrenzen hinweghört. Wer Jazz als Erzählkunst schätzt, findet in seiner Diskographie eine Fülle an Melodien, Klangfarben und dramaturgischen Details – von der nostalgischen Wärme des C-Melody-Saxophons bis zur transkulturellen Energie aktueller Produktionen. Seine Bühnenpräsenz verbindet Virtuosität mit Nähe, erzählt in leisen Tönen und formt große Bögen. Kurz: Ein Künstler, dessen Musik Kopf und Herz gleichermaßen erreicht.
Empfehlung: Die jüngsten Veröffentlichungen anspielen, dann ein Live-Konzert besuchen – dort entfaltet sich sein erzählerisches Saxophon am eindrucksvollsten. Wer danach tiefer eintauchen will, entdeckt in den Duo- und Ensembleformaten immer neue Facetten einer konsequent entwickelten Klangsprache.
Offizielle Kanäle von Mulo Francel:
- Instagram: Kein offizielles Profil gefunden
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Quellen:
- Mulo Francel – Offizielle Website
- GLM Music – Künstlerprofil Mulo Francel
- GLM Music – Artist Profile (EN)
- GLM Music – Mulo Francel & Chris Gall: Mythos (Produktseite)
- Jazz thing – Feature „Grüße von Bix“, 22.03.2023
- RONDO Magazin – Rezension „Global Players“, 16.08.2025
- Apple Music – The Melody Sax (Album, 2023)
- TIDAL – Global Players (Album, 2025)
- jpc – The Sax & the Sea (Album, 2014)
- Wikipedia: Bild- und Textquelle
